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RCE Graz-Styria Newsletter 07/16

Sehr geehrte LeserInnen,

die letzten Monate standen ganz im Zeichen der überregionalen Vernetzung. Im Rahmen der zahlreichen EU-Projekte, an welchen das RCE Graz-Styria beteiligt ist, fanden Treffen in Antwerpen,  Gibraltar und London statt. Wie wichtig internationaler Austausch ist, bestätigt auch der Sustainability Award für das ConSus-Projekt, das Albanien und den Kosovo miteinander verbindet. Regionale Aktivitäten spielen für eine nachhaltige Entwicklung aber eine ebenso wichtige Rolle: Im Rahmen einer Exkursion mit Personen mit Fluchthintergrund und Studierenden in Österreich wurde das Verständnis für die gegenseitigen Lebenswelten gefördert. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre der Beiträge, Veröffentlichungen und Veranstaltungstipps.

Herzliche Grüße
Das Team des RCE Graz-Styria



Annual UE4SD-Meeting 2016 in Gibraltar (Foto: © RCE Graz-Styria)

UE4SD Annual Meeting und Konferenz

Unter der Symbolik des Leuchtturms, der neue Pfade und Wege einer innovativen Welt beleuchtet, fand vom 27. bis 29. Juni 2016 das dritte und finale Treffen des UE4SD-Projektes mit anschließender Konferenz ("Universities as Beacons of Change: Education for sustainability lighting up pathways for a new world") an der Universität in Gibraltar statt. Die erst im September 2015 eröffnete Universität bot ein hervorragendes Umfeld und optimale Verhältnisse für ein erfolgreiches und aufschlussreiches Zusammentreffen.
Basierend auf den Forderungen des UNESCO Global Action Programme und den Sustainable Development Goals wurden die Ergebnisse und Ansätze der letzten drei Jahre der Projektarbeit im UE4SD-Meeting resümiert und diskutiert. Im Vordergrund stand dabei, wie der eindeutige Bedarf einer Umorientierung, professionellen Entwicklung und Unterstützung von Lehrenden in der Hochschulbildung  gedeckt werden kann und welche führenden Beispiele Universitäten und Hochschulen dazu ermutigen, starre Bildungsansätze zu hinterfragen, um somit Leitbilder eines sozialen Umbruches zu werden. Die erzielten Errungenschaften, der UE4SD Sustainability Plan, Monitoring und Evaluierung wurden besprochen und mündeten in die theoretische Erkenntnis das Projekt weiterzuführen, um den Einfluss auf die Gesellschaft zu vertiefen und mittels praktischer Beispiele konsequent zu implementieren.
Die anschließende Konferenz mit Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Inputs renommierter ExpertInnen befasste sich mit internationalen und UN-Rahmenbedingungen für Bildung für nachhaltige Entwicklung auf Hochschulebene, der COPERNICUS Alliance, dem europäischen Hochschulnetzwerk für nachhaltige Entwicklung, und einer Einführung in die UE4SD-Plattform. Die Quintessenz war dabei, neue, effiziente Wege zu gehen, alle EntscheidungsträgerInnen erreichen zu können und tatsächlich zu agieren.
In den Parallel Sessions „Professional Development“ (geleitet von Dr. Maik Adomssent, Leuphana Universität Lüneburg), „Pathways for Quality“ (geleitet von Dr.in Jana Dlouhá, COPERNICUS Alliance und Charles University Prag) und „Possibilities for Change“ (geleitet von Dr.in Paula Lindroos, Baltic University Programme) wurden Projekte und Good-Practice-Beispiele präsentiert und interaktiv diskutiert.
Auch das RCE Graz-Styria leistete mit dem Projekt  „Get moving! Developing innovative teaching methods of ESD for Physical Education“ einen wertvollen Beitrag. Julia Wlasak präsentierte, wie Hochschullehrende anhand des Unterrichtsfaches Bewegung und Sport einen fast ausgeblendeten Bereich der Bildung beleuchten können, um eine ganzheitliche Bildung zu garantieren und SchülerInnen bedürfnisorientiert zu befähigen, Kompetenzen zu entwickeln, Aktionen zu setzen und an einem aktiven und nachhaltigen Leben teilzunehmen.



Oben: Gruppenfoto der europäischen RCEs an der South Bank University in London. Links unten: Mag.a Petra Wlasak, MA, MSc, Prof. Ros Wade und Mag. Thomas Drage (Foto: © RCE Graz-Styria)

Gemeinsam für ein nachhaltiges Europa – Treffen der europäischen RCEs in London

Über dreißig RepräsentantInnen der RCEs in Europa trafen sich vom 23. bis 24. Juni 2016 an der South Bank University in London, um sich über aktuelle Arbeitsschwerpunkte und Best-Practice-Beispiele für Bildung für nachhaltige Entwicklung auszutauschen.
Organisiert durch das Team des RCE London unter der Leitung von Professorin Ros Wade, wurde ein besonderer Fokus bei dem Treffen auf den interaktiven Austausch und gemeinsames Lernen zu Grundsätzen von Bildung für nachhaltige Entwicklung gelegt. In einer Posterausstellung präsentierten die jeweiligen RCEs ihre aktuellen Bildungs- und  Forschungsschwerpunkte. Ebenso standen Kleingruppenarbeiten zu wesentlichen Grundsätzen von Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie rege Diskussionen zur Stärkung der Kooperation der europäischen RCEs auf dem Programm.
Mag. Thomas Drage und Mag.a Petra Wlasak MA, MSc nahmen für das RCE Graz-Styria an dem Treffen teil und präsentierten unter anderem das transdisziplinäre Projekt URB@Exp, welches aktuell in Graz und Leoben implementiert wird.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich der Flucht- und Migrationsbewegungen nach Europa und wie Projekte für Bildung für nachhaltige Entwicklung einen Beitrag zur Inklusion von Geflüchteten leisten können. Die RepräsentantInnen referierten hierzu zu aktuellen Entwicklungen in ihrem jeweiligen regionalen und nationalen Kontext und sammelten Beispiele von bereits erfolgten Maßnahmen für Bildung für nachhaltige Entwicklung für Flüchtlinge, wie zum Beispiel interkulturelle Gemeinschaftsgärten, Sprachkurse oder Exkursionen mit Studierenden zu Stationen der Flucht.
Da die Ergebnisse der Volksbefragung zum EU-Austritt Großbritanniens am selben Tag des Treffens veröffentlicht wurde, gab es auch zu diesem Thema rege Diskussionen, insbesondere betreffend zukünftiger gemeinsamer EU-Projekteinreichungen.



Gemeinsam Österreich erkunden: Studierende und Lehrende des RCE Graz-Styria und des Instituts für Geographie und Raumforschung gingen mit MigrantInnen auf Exkursion (Foto: © RCE Graz-Styria)

Unterwegs in Österreich

Land und Leute kennenlernen und die österreichischen Lebenssituationen verstehen - das waren Ziele einer viertägigen Exkursion, die Mag.a Petra Wlasak, MA. MSc (RCE Graz-Styria) und Univ.-Prof. Dr. Ulrich Ermann (Institut für Geographie und Raumforschung) gemeinsam mit Studierenden Geographie-Instituts der Uni Graz und Personen mit Migrationshintergrund durchführten. Die 19 Studierenden hielten vier Workshops an unterschiedlichen Stationen in der Steiermark und Wien ab und erklärten dabei die Geographie Österreichs.
"Insgesamt war es ein durchwegs positives Erlebnis für alle Beteiligten, viele Kontakte konnten geknüpft werden. Es entstand ein fruchtbarer Austausch über Österreich, die Herkunftsländer der TeilnehmerInnen sowie zur aktuellen Lebenssituation hierzulande", zogen die beiden Lehrenden Wlasak und Ermann eine positive Bilanz.
Die Exkursion begann mit einem Besuch der Caritas Akademie der Caritas Graz sowie der Abhaltung eines Workshops im Rahmen eines regulären Deutschkurses mit rund 15 TeilnehmerInnen aus dem Iran, Irak, Syrien, Afghanistan und Tschetschenien. Anschließend konnte sich die Gruppe in Spielfeld ein eigenes Bild der aktuellen Situation an der Grenze machen. Die zweite Station war Semriach, wo ein Workshop mit ebenso rund 15 TeilnehmerInnen aus Tschetschenien, Syrien und Afghanistan in Kooperation mit der GEWI-Fakultät der Uni Graz abgehalten wurde. Gespräche mit freiwilligen HelferInnen, UnterkunftsgeberInnen und dem Semriacher Bürgermeister Gottfried Rieger zeigten die Lage vor Ort auf. Ein Workshop im Quartier für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge des Diakoniewerks für rund 12 afghanische Jugendliche in Deutschfeistritz inklusive Hausführung, Vorstellung des Freiwilligenprojekts von SEKEM Österreich und abschließendem Fußballspiel rundete den zweiten Tag ab.
Tag drei startete mit einem Informationsgespräch mit der Regionalbetreuung Obersteiermark in Kapfenberg. Danach fand ein Workhsop im Quartier Steinhaus am Semmering mit rund 15 TeilnehmerInnen aus Kongo, Iran, Syrien, dem Irak und Afghanistan statt. Die Exkursion wurde mit einer Hausführung im Hotel Magdas der Caritas Wien beschlossen. Neben diesem Social Business für und mit Flüchtlingen besuchten die TeilnehmerInnen außerdem noch den österreichischen Integrationsfonds und das Integrationszentrum in Wien. 



Die PreisträgerInnen des Sustainability Award 2016 mit Mag.a Petra Wlasak, MA, MSc und Barbara Loimayr, MSc als VertreterInnen für das RCE Graz-Styria (Foto: © FORUM Umweltbildung)

Sustainability Award für ConSus-Projekt

Der Österreichische Sustainability Award ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und wurde 2007 ins Leben gerufen, um Bewusstsein für Nachhaltigkeitsprozesse an österreichischen Hochschulen zu schaffen bzw. zu steigern. Die österreichweite Verleihung des Sustainability Award findet seit 2008 alle zwei Jahre statt und holt Pionierprojekte der Nachhaltigkeit vor den Vorhang. 
Das EU-Projekt ConSus – Connecting Science-Society Collaborations for Sustainability Innovations wurde im Handlungsfeld Internationale Kooperation mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Sein Ziel ist es, Beziehungen zwischen Hochschul- und Forschungsinstitutionen sowie Praxis in den beiden Partnerländern Albanien und Kosovo zu stärken. 13 Institutionen aus fünf Ländern (Albanien, Kosovo, Irland, Deutschland und Österreich) arbeiten seit Dezember 2013 zusammen, um vor allem Kooperationen im Wissensdreieck Bildung-Forschung-Gesellschaft und gemeinsames Lernen im Bereich nachhaltiger Entwicklung zu fördern.
Die Universität Graz und die Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien sammeln v.a. Lehrmaterialien und -methoden und stellen diese über eine webbasierte Plattform für alle bereit. Der Inhalt kommt von den Projektpartnern selbst. Die albanischen und kosovarischen Partnerinstitutionen entwickeln Lehrmaterialien und stellen sie auf der Plattform zur Verfügung. Die Trainings wiederum bieten den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Partnerinstitutionen in Albanien und Kosovo zusätzlich die Möglichkeit, ihre Expertise im Bereich nachhaltiger Entwicklung zu erweitern. Die dort vermittelten Inhalte und Methoden tragen zur Verbesserung der Lehre an albanischen und kosovarischen Hochschuleinrichtungen bei.



URB@Exp Projekttreffen in Antwerpen (Foto: © Fille Roelants)

Auf in den Endspurt: URB@Exp-Projekttreffen in Antwerpen

Ende April traf sich das URB@Exp-Konsortium in Antwerpen zum vierten Projekttreffen und leitete damit nach erfolgreichen eineinhalb Jahren die zweite Phase des transdisziplinären Forschungsvorhabens ein.
Am ersten Tag wurden die internationalen ProjektpartnerInnen von Nabilla Ait Daod im prunkvollen und geschichtsträchtigen Rathaus von Antwerpen begrüßt. Die für das Stadtlabor Antwerpen verantwortliche Stadträtin gab einen spannenden Einblick in die bisherige Arbeit der kooperativen Partizipationsplattform und erläuterte Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Danach organisierte die Zukunfts- und Designwerkstätte Pantopicon einen inspirierenden Lernrundgang durch die Stadt, wodurch die ProjektpartnerInnen bessere Einblicke in die vom Antwerp Citylab2050 unterstützten Initiativen gewinnen konnten. Die Haltepunkte waren sehr vielfältig und umfassten Experimente aus dem Schwerpunkt nachhaltige Energieversorgung sowie einen Besuch des Modemuseums, wo die TeilnehmerInnen mehr über Aktivitäten zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Antwerpener Modesektor erfuhren.
Der zweite Tag des Projekttreffens stand ganz im Zeichen der intensiven Auseinandersetzung mit den bisherigen Ergebnissen der Aktionsforschung in den fünf Partnerstädten (Antwerpen, Graz, Leoben, Lund, Maastricht und Malmö), welche die Grundlage zur Ausarbeitung von Richtlinien und Gestaltungsprinzipen für die Gründung und den erfolgreichen Betrieb von Stadtlaboren bilden. Darüber hinaus wurde ein erster Prototyp des „Inspiration Kit for Urban Labs“ präsentiert und intensiv diskutiert.
Am letzten Tag des Projekttreffens arbeiteten die akademischen KonsortiumpartnerInnen neue Ideen für wissenschaftliche Publikationen aus und stimmten allgemeine organisatorische Fragen über zukünftige Forschungsaktivitäten ab. Mit diesen wichtigen Maßnahmen scheint der Weg für ein erfolgreiches Projektfinale geebnet zu sein.   



Die Freiluftausstellung wurde am 12. Juni im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung eröffnet: Dr.in Ursula Brosch (Institut für Pflanzenwissenschaften, Universität Graz), Dr. Christian Berg (Botanischer Garten, Universität Graz), Iris Wehberg, MA (Stiftung Drittes Millennium), Univ.-Prof. Dr. Helmut Mayrhofer (Institut für Pflanzenwissenschaften), Mag. Thomas Drage (RCE Graz-Styria) (Foto: © RCE Graz-Styria)

Schritte durch die Zeit

In Zusammenarbeit mit dem botanischen Garten der Universität Graz konnte das RCE Graz-Styria die Freiluftausstellung „Schritte durch die Zeit… vom Sternstaub zu uns“ nach Graz bringen. Seit Juni führt die Ausstellung auf dem Areal des botanischen Gartens auf 52 großen Tafeln durch viele Millionen Jahre Zeitgeschichte der Erde.
In den dargestellten 4.600 Millionen Jahren zeigen die Tafeln auf, welche Eigenschaften für frühe Lebewesen wichtig waren um zu überleben: die Fähigkeit sich an geänderte Bedingungen anzupassen, welche im Zusammenhang mit der Klimaveränderung äußerst aktuell ist. Die Ausstellung zeigt auch die Entstehung und Entwicklung der unglaublichen Artenvielfalt auf unserem Planeten, die ein bedeutender Baustein des Lebens auf der Erde ist. Gegen Ende der Reise wird die Frage augeworfen: Wohin gehen wir? Die Sonne kann unser Leben auf der Erde für weitere 2.000 bis 3.000 Millionen Jahre erhalten. Aus der Perspektive der nachhaltigen Entwicklung stellt sich die Frage: Werden wir die richtigen Schritte setzen, um dieses Geschenk für eine nachhaltige Zukunft zu nutzen?
Die Ausstellung wurde am 12. Juni im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung mit Unterstützung des SUPERAR-Kinderchors eröffnet und kann noch bis 15. November im Freilandbereich des botanischen Gartens besucht werden. Führungen werden vom Freilandlabor der Universität Graz angeboten.


Veröffentlichungen

Umweltdachverband GmbH (Hg.) (2016): Im Wandel – Jahrbuch Bildung für nachhaltige Entwicklung FORUM Umweltbildung, Wien.


Veranstaltungen

Sommerakademie des FORUM Umweltbildung: „Her mit der Vielfalt! Diversität in Natur und Gesellschaft“
22.08.2016-25.08.2016
Schloss Seggau
Information

COPERNICUS Alliance Conference 2016: Sustainability Transformation of Science Systems
14.09.2016-15.09.2016
Universität für Bodenkultur Wien
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